Moving Day

Da stehe ich also mit meinem gesamten Hab und Gut auf der Straße und warte auf das Umzugsauto. Naja, viel hab ich ja nicht. Im Wohnheim für Behinderte war auch nicht wirklich für alles Platz. Nur ein paar persönliche Gegenstände, meine Klamotten und Waschzeug. Mehr war einfach nicht drin. Leider. Dabei liebe ich die Musik und ich lese sehr gern. Aber meine Kassetten aus der Kindheit haben nicht mehr in das Regal gepasst als ich hier eingezogen bin. Manchmal habe ich mich schon gefragt, was ich hier eigentlich mache. Ich habe einen Normaldruck Hydrocephalus, also einen Wasserkopf. Zumindest wird er in der Gesellschaft so genannt. Meine kognitiven Fähigkeiten sind ein wenig eingeschränkt und ich sehe nicht so gut. Aber dafür gibt es ja Brillen. Alle anderen hier sind wesentlich schlimmer dran als ich. Deswegen will ich meinen Platz hier räumen und ihn für jemanden mit einer schlimmeren Behinderung freimachen. Ich brauche ja keine Pflege. Ich stehe alleine auf, wasche mich gründlich, ziehe mich an. Und nach dem Frühstück gehe ich in die Arbeit. Ich arbeite in einer Fabrik im Versand. Es macht mir großen Spaß, die ganzen Kartonagen zusammenzukleben und Dinge darin zu verpacken. Ich bin dort auch sehr beliebt und in der Pause kann ich mich an einen Tisch setzen den ich mir aussuche. Meine Kollegen haben keine Angst vor mir. Ich gehöre dort zum Team. Nur konnte ich sie noch nicht zu mir nach Hause einladen. Wer will schon freiwillig einen Abend im Heim verbringen? Ein betreutes Wohnen wäre prima. Und genau dorthin werde ich jetzt ziehen.

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