Seitensprung: Chance für die Liebe oder Ende der Beziehung?

Jeder zweite hat schon mal, jede zweite auch: Der „Seitensprung“ ist in deutschen Langzeitbeziehungen nicht die Ausnahme, fast schon die Regel. Der häufigste Grund für das Fremdgehen ist auch der nahe liegenste: sexuelle Unzufriedenheit. 76 Prozent der Männer und sogar 84 Prozent der Frauen sind laut einer Studie der Universität Göttingen aufgrund „sexueller Defizite“ in fremden Betten gelandet. Schon im vierten Jahr einer Dauerbeziehung sind demnach die meisten mit ihrem Sexualleben „eher unzufrieden“ – und der Seitensprung ist vorprogrammiert.

Oft ist es aber auch einfach die „Gelegenheit“, die zum Fremdgehen animiert. Solche Affären – haben die Sexualforscher festgestellt – treten erstaunlicherweise vorwiegend in den ersten Jahren einer Beziehung auf. Oft geht es hierbei auch um das Spiel mit der eigenen „Attraktivität“ und den Rückfall in alte Jagdmuster, wie im Film „Gelegenheit macht Liebe“, wo der Seitensprung noch vor der Hochzeit stattfindet. Beruhigend am Rande: Solche „Affären“ sind meist nur von kurzer Dauer, bleiben in der Regel geheim und wirken sich so nicht schädlich auf den weiteren Verlauf der Beziehung aus.

Ein „aufgeflogener“ Seitensprung stellt indes immer einen Bruch in der vorhandenen Beziehung dar – muss aber nicht zwangsläufig deren Ende bedeuten. Zwar ist das gegenseitige Vertrauen erst einmal nachhaltig zerstört und der betrogene Part wird von Selbstzweifeln heimgesucht. Doch bietet eine solche „Zäsur“ auch die Chance, einmal über die eigene Partnerschaft, deren Status quo und mögliche Visionen nachzudenken. Wenn dann das Vertrauen zurückkehrt, werden bislang geheim gehaltene Bedürfnisse und Wünsche vielleicht eher ausgesprochen und man verlässt die eingefahrenen Muster der alten „Beziehungsroutine“.

„Frischer Wind für alte Liebe“ – dieser Slogan taugt dennoch kaum für den Seitensprung. Für rund ein Viertel der Deutschen ist Fremdgehen ein sofortiger Trennungsgrund – und allzu oft heilen die so zugefügten Wunden auch in aufrecht erhaltenen Beziehungen nie. Deshalb gilt für Affären aller Art: Am Besten „genießen und schweigen“!

Julia Weise-Holtgräwe

Falterchen(at)online.de

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