Wie Versicherungen unsere Lebensweise verändern

Wir Deutschen haben eine ausgeprägte Versicherungsmentalität. Auf der einen Seite ist das gut, weil die Folgen unvermeidlicher Schicksalsschläge dadurch besser abgemildert werden als in vielen anderen Ländern. Deutlich wird das zum Beispiel bei der Krankenversicherung. An vielen Krankheiten sterben bei uns viel weniger Menschen als in anderen Ländern, etwa den USA, einfach weil dort viele Patienten kein Geld für eine gute medizinische Versorgung haben. Auf der anderen Seite haben Versicherungsgesellschaften bei uns eine solche Macht, dass sie unsere Lebensweise erheblich verändern – und das nicht immer zum Guten. Das soll einmal an einem Beispiel aus dem Bereich der Autoversicherung deutlich gemacht werden. Früher war es allgemein üblich, dass man sich im Bedarfsfall schnell mal das Auto eines Freundes oder eines Verwandten auslieh. Das kann ja schon dann notwendig sein, wenn man etwas Größeres transportieren muss und das eigene Auto dafür zu klein ist. Heute hört man auf eine entsprechende Anfrage aber immer öfter, ein Ausleihen sei nicht möglich, da die Kaskoversicherung nur auf den Namen der eingetragenen Fahrer ausgestellt sei. Das senkt natürlich die Beiträge, weil das Risiko für die Kfz Versicherung überschaubarer wird – mit freundschaftlichem oder familiärem Verhalten hat es aber natürlich nichts zu tun, und so dürfte im Spannungsfeld zwischen Hilfsbereitschaft und Angst vor der Versicherung schon so manche Freundschaft zerbrochen, so mancher Familienstreit entbrannt sein. Die ebenso alte wie unsinnige „Weisheit“, nach der beim Geld die Freundschaft aufhöre, lässt sich auch hier anwenden. (Natürlich verdient etwas, das beim Geld aufhört, die Bezeichnung „Freundschaft“ sowieso nicht.) Die Macht der Versicherungen fördert in diesem Bereich also eine egoistische Mentalität, deren weitreichende Folgen für unsere Gesellschaft im Ganzen einmal näher untersucht werden sollte.

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